Konstanz Seestraße und alte Rheinbrücke. Seezeichen 13, Szene 1: “… Im Moment schnaufe ich mäßig sportlich die Seepromenade entlang …”

 

Das großartige combit Team macht in Software. www.combit.net 

Wenn Du es nun wirklich wissen willst …

Mein Werdegang: Wird sie noch, oder wird sie nicht?

Geboren 1964 in Konstanz am Bodensee. Genauer im Paradies, einem Konstanzer Stadtteil, was durchaus auch als Bild zu verstehen ist. Menschen, die ins Paradies geboren werden, wissen oft nicht, wohin, lassen sich treiben. Schließlich ist man schon angekommen, irgendwie.

So bin ich in Konstanz aufgewachsen und geblieben, was weniger langweilig ist, als es klingt, es sei denn, ich schreibe es nieder. Dann stelle ich mir vor, ich hätte als Drehbuchautorin in New York gewohnt, in der Provence Wein angebaut, in New England ein Bed & Breakfast geführt, in Rumänien Straßenhunde gerettet  … okay, es geht hier um Fakten, also reiße ich mich mal zusammen. Es ist wie es ist: In Konstanz geboren, aufgewachsen und geblieben. Punkt.

Schon während des Studiums der Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz – das ist nun wirklich so langweilig, wie es klingt – habe ich viel Zeit bei combit verbracht. Es ist einfach so passiert. Tatsächlich habe ich anfänglich freiwillig mitgearbeitet, ohne Bezahlung. Ist das zu fassen? Und warum? Des Liebsten wegen – natürlich! Peter Magulski, der beste Schriftstellerinnengefährte aller Zeiten, ist in Konstanz zumindest ein Zugezogener, sonst sieht sein Lebenslauf ähnlich aus, wie meiner. Seit über 34 Jahren ist das nun schon so. Will heißen: Ich bin eine treue Seele. Wer mich mal am Hals hat, hat mich am Hals.

Bei combit war ich für Marketing, Vertrieb, Personal und Finanzen zuständig, dabei war Schreiben immer zentral, Kriminelles allerdings weniger. Ich feilte an Marketingtexten, brachte Konzepte zu Papier, erklärte Software und quälte mich wie andere mit Verträgen. Letzteres ist tatsächlich kriminell und gehört verboten.

Über 25 Jahre Mitinhaberin und Geschäftsführerin eines Softwareunternehmens hinterlassen ihre Spuren – in positiver wie in negativer Hinsicht. Ich möchte die Zeit nicht missen, vor allem der vielen tollen Menschen wegen. Ein bisschen was gelernt habe ich auch, aber auch viel gearbeitet, viieel gearbeitet. Das war mein Leben 1.0.

Jetzt begleite ich combit noch beratend und genieße mehr Freiheit.  Im Leben 2.0 schreibe ich. Wenn ich nicht gerade schreibe, genieße ich mein Leben. Ja, das ist das perfekte Paket. Ich weiß darum und bin unendlich dankbar.

Warum Krimikomödien? Weil ich die selbst gerne lese und die Welt schon ernst genug ist. Ich möchte, dass sich meine Leser besser fühlen, als wenn sie mein Buch nicht hätten. Beschwingt, erfrischt und voll neuer Energie, positiv in die Zukunft blickend. Das nehme ich ernst und sehe es als meine Mission, dafür Spannung mit Humor und Leichtigkeit zu verbinden.

Es gefällt mir, fiktive Figuren an meist realen Orten lebendig werden zu lassen, nur um einige von ihnen gleich wieder umzubringen. Hier ist’s wie im wahren Leben: Der erste Mord ist am schwersten. Inzwischen morde ich regelmäßig und ohne Vorbehalte, rein literarisch wohlgemerkt. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass der sog. Subplot, also die Geschichte neben dem Kriminalfall, mich mindestens ebenso in Beschlag nimmt. Auch hier: Der Menschen, der Figuren wegen.

Heute lebe ich mit dem besten Schriftstellerinnengefährten und Hund, sagen wir es im Chor: in Konstanz am Bodensee. Wenn ich nicht, wer könnte es mir verdenken, gelegentlich auf Reisen das Weite suchen muss, um statt auf den See auf ein Meer zu gucken.

Durchgeknallte Feldforscherin? Seezeichen 13 wurde teilweise am Campingtisch geschrieben. Hier auf einer Klippe in Nordfrankreich.

Fila ist die einzige Figur aus Seezeichen 13, die es im echten Leben gibt, wenn sie auch im Buch eine wehrhaftere Version von sich spielt.

Fragen & Antworten

Wie viel Christiane Kördel steckt in Ines Fox?

Nix. Also gut, ein bisschen was. Okay, schon das ein oder andere. Tatsächlich haben meine Protagonistin und ich einiges gemeinsam, wenn uns auch deutlich mehr unterscheidet.

Wir beide lieben den See. Ich denke, jede Umgebung gestaltet ein bisschen mit, wer wir sind und was uns wichtig ist.

Sie ist Jungunternehmerin, eine Funktion, in der ich vor 10-15 Jahren steckte, okay wohl eher vor 25 Jahren. Eine schnelllebige Branche im IT-Bereich, in einem freundschaftlichen, fast familiären Team. Ich arbeitete allerdings immer mit zwei Co-Geschäftsführern zusammen, was mich auf andere Weise forderte. In einer stark von männlichen Kollegen geprägten Branche allein ein Unternehmen zu führen, wie Ines das tut, verlangt nach einer toughen, durchsetzungsstarken Persönlichkeit, die auf sich selbst vertraut und auch mal das Gegenteil von dem tut, was andere von ihr erwarten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Meine Heldin ist jünger, mutiger, sturer, temperamentvoller, selbstbewusster, hat mehr Sex-Appeal, einen stärkeren Hang zum Chaos und lebt ihre Leidenschaften ungehemmter aus. Also ganz anders als ich, eigentlich.

Lustigerweise wirkt Ines‘ Art regelrecht ansteckend auf mich. Seit es sie gibt – man beachte die Formulierung, ich hab doch einen an der Waffel! – esse ich mehr Schokolade, als mir gut tut, bin chaotischer und unstrukturierter. Ein Psychotherapeut könnte da jetzt was draus machen, da wette ich.

Hat der Name „Ines“ für Dich eine Bedeutung?

Ja, es ist mein zweiter Vorname. Uncool? Ich hoffe nicht. Er war zunächst nur als Arbeitsname gedacht, denn ich habe nicht wirklich etwas für meine Vornamen übrig. Zum Namen Ines hatte ich gar keinen Bezug. Als ich so vor mich hin überlegte, wie meine Protagonistin heißen könnte, habe ich die Entscheidung erst mal verschoben. Stattdessen benutzte ich einen Platzhalter, einen Arbeitsnamen – schwupp – Ines. Im Anschluss wollte ich mir viel Zeit lassen, mir einen dieser wohlklingenden Frauennamen auszugucken, die alle auf A enden und viel mehr Weiblichkeit mitschwingen lassen, als der Name Ines es tut. Aber wie das mit Provisorien so ist, man gewöhnt sich schneller dran, als einem lieb ist. Irgendwann fand ich den Namen Ines okay, dann hat er sich automatisch mit Leben gefüllt und sich geweigert, zu gehen.

Wie entwickelst Du die Figuren? Gibt es einige von ihnen in Fleisch und Blut?

Ja ja, ich weiß, worauf das abzielt. Alle Mädels wollen wissen, wo Dr. Frieder zu finden ist. Tut mir leid, hier Illusionen zerstören zu müssen: Auch Dr. Frieder ist frei erfunden.

Prinzipiell wird man keine meiner Figuren in natura finden. Ich mixe die Figuren zusammen, nehme hier eine Charaktereigenschaft und klaue dort ein Detail, packe alles in den Figuren-Shaker und schüttle kräftig, dass die Eiswürfel nur so klackern.

Mit einer Ausnahme: Die braun getupfte Dalmatinerdame Fila gibt es wirklich. Sie ist Teil unserer kleinen Familie. Allerdings darf Fila eine wehrhaftere Version ihrer selbst spielen. Menschen anzuknurren liegt ihr im echten Leben fern. Eine ihrer Leidenschaften ist jedoch tatsächlich, den Zug über die alte Rheinbrücke zu jagen, wenn man sie nicht davon abhält.

Wie kommst Du auf witzige Situationen und Dialoge?

Beim Schreiben. Ich setze mich hin, fange an zu schreiben und lasse mich treiben. Natürlich muss ich manchmal zurück, um etwas geradezubiegen, weil dieser lustige Einfall von eben nicht mehr zu dem passt, was mir gestern eingefallen ist. Das macht die Sache wenig effizient, aber das ist auch nicht das Ziel. Während Effizienz und Kosten-Nutzen-Orientierung mein Arbeitsleben als Geschäftsführerin prägten, habe ich mir explizit erlaubt, diese Denke beim Schreiben nicht anzuwenden. Luxus pur! Das Ergebnis: Uneffizient, aber so was von, und jede Menge Spaß.

Hast Du Spaß beim Schreiben?

Aber so was von! Dabei hätte ich es vorher nie für möglich gehalten, dass es dermaßen viel Spaß macht. Wenn jetzt noch jemand mein Spaßprodukt liest und dabei auch noch Spaß hat, dann ist das quasi Spaß hoch zwei.

Es ist für mich unbezahlbar, selig machend und katapultiert mich regelmäßig in den siebten Himmel. Okay, in den sechsten, denn der siebte ist natürlich nur für den besten Schriftstellerinnengefährten aller Zeiten reserviert.

Lachst Du beim Schreiben?

Manchmal. Meist ist es eher ein albernes Kichern. Ich tanze auch mal im Zimmer herum, wenn ich eine gelungene Stelle geschrieben habe. Und ich habe den Drang, es in die Welt zu posaunen. Das ist in dem Moment total kontraproduktiv, weil es natürlich niemand verstehen und der Spoileralarm losheulen würde.

Insgesamt ist das Schreiben für mich ein echter Stimmungsaufheller. Kann ich nur empfehlen!

Von der Geschäftsführerin zur Autorin. Ist Dir langweilig geworden?

Langweilig, wie wenn sich das L der Tastatur in der Wange abdrückt? Nach 25 tollen Jahren wiederholt sich natürlich trotz und wegen der Schnelllebigkeit der Branche das ein oder andere, auch x-fach. Ich wollte eine Veränderung, ohne komplett auf combit verzichten zu müssen. Schreiben war schon immer mein Ding, also mehr davon! Und jetzt kann ich nicht genug davon kriegen. Schreibsucht. Da haben wir den Salat!

Verwaltungswissenschaften und Geschäftsführerin eines Softwareunternehmens, das ließe auf einen trockenen Charakter schließen, Seezeichen 13 nun gar nicht. Hast du zwei Persönlichkeiten?

Hui, ich hoffe, dass niemand, der mich kennt, mich als „trockenen Charakter“ titulieren würde. Das fände ich übel. Aber ich sehe absolut, dass mein Werdegang trocken klingt. Verwaltungswissenschaften für sich ist schon ein echtes Unwort, oder? Dabei ist es ein ziemlich guter interdisziplinärer Studiengang. Man kann alles lernen und nichts. Etwas Soziologie, etwas Marketing, etwas Wirtschaft, etwas Jura, etwas internationale Politik, etwas IT … Für mich war das damals das Richtige, weil ich nicht so recht wusste, was ich werden wollte. Heute weiß ich es: Schriftstellerin. Aber mir ist bewusst, ich wäre heute eine andere, wenn ich diesen Weg nicht gegangen wäre. Keine Ahnung, ob das besser oder schlechter … die Frage stellt sich ja auch nicht.

Ich kenne übrigens keinen einzigen trockenen Geschäftsführer im IT-Bereich. Die sind alle irgendwie verrückt, auf eine liebenswerte Art natürlich.

„Der erste Mord ist am schwersten?“ Was meinst Du damit?

Irgendwann kam ich zu dem Punkt, dass ich jemanden sterben lassen musste. So blöd sich das anhört, aber das ist mir wirklich schwergefallen. Als ich meinte, jetzt müsste ich langsam mal konkret überlegen, wie genau sich das zugetragen haben soll, wer hat jetzt welche Waffe wie genau geführt … Es hat mich Überwindung gekostet, es mir genau vorzustellen und „zu tun“, auch wenn es nur in Gedanken war. Ich fühlte mich verantwortlich. Verrückt, oder?

Der zweite Mord war übrigens deutlich einfacher. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier. Und nun morde ich eben, ganz normal – literarisch wohl gemerkt.

Woher stammt das Cover?

Ich habe es über die Plattform 99designs entwickeln lassen. Dort kann jeder eine Ausschreibung starten und nach einem geführten Auswahlprozess mit seinem Lieblingsdesigner zusammenarbeiten. Obercool: Der junge Designer sitzt in Transsylvanien und die Muse, das Vorbild für den roten Lockenkopf, ist seine Freundin. Hach!

Wie fühlt sich das Autorinnenleben an? Ist es, wie erwartet?

Ich hätte nie gedacht, dass es sich so toll anfühlt, Autorin zu sein. Die ersten Wochen nach der Veröffentlichung habe ich wie im Rausch erlebt. Erst das Bibbern, wie kommt mein Buch an, wenn es zum ersten Mal den heimeligen Schoß der Familie und Freunde verlässt. Dann die pure Glückseligkeit, dass insgesamt die Resonanz so positiv ist. Die ersten Rezensionen hauten mich schier um.

Ich habe mehr erreicht, als ich je zu träumen gewagt hätte. Ich habe das große Glück, dass mir schon sehr viele Menschen ihre Zeit anvertraut haben und ich sie in meine Geschichte entführen durfte. Darunter ein Leser, der nie liest (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen!) von seiner Frau aber zu meinem Buch verdonnert wurde und es dann liebte. Darunter ein Frau, die seit 40 Jahren Vielleserin ist und für mein Buch die erste Rezension geschrieben hat, weil es ihr so ein Bedürfnis war, die Freude darüber zum Ausdruck zu bringen. Die ersten Leser, die gebettelt haben, ich solle sagen, wann es denn endlich weitergeht. Das ist doch der Hit!

Nachdem ich mich nun ein paar Monate daran gewöhnt habe, finde ich die Vorstellung, dass jemand jetzt, in diesem Moment mit meinem Buch in der Sonne sitzt und über etwas schmunzelt, das ich geschrieben habe immer noch sagenhaft. Da geht nichts drüber. Der ehrliche Austausch mit Lesern, wozu auch Hinweise auf Makel gehören, ist für mich unendlich wertvoll. Ich höre genau zu, was sie mir sagen. Sie sind übrigens alle ausgesucht feinfühlig, das hätte ich nicht gedacht. Ich war darauf vorbereitet, mit dem großen Avernerschild die emotionalen Angriffe abzuwehren. Nichts dergleichen.

Schreibst Du an der Fortsetzung?

Aber klar! Ich schreibe an Teil Zwo alias “Seeblick kostet extra” und lasse Ines, Dr. Frieder und den Rest der Truppe ein weiteres Abenteuer erleben. Das kommt mir natürlich vor. Außerdem haben mir viele Leser zurückgemeldet, sie wären begierig zu wissen, wie das nun mit Ines und Dr. Frieder weitergehen würde. Die Figuren sind mir ans Herz gewachsen. Ich könnte sie jetzt noch nicht sich selbst überlassen. Wer weiß, was sie anstellen würden.

Man darf gespannt sein, braucht aber noch eine gehörige Portion Geduld, siehe oben „fehlende Effizienz“. Wer Seezeichen 13 gelesen hat, kann hier spicken.